Kultur in Pöttmes

Rückblick auf den Vortrag von Prof. Dr. Liebhart "Die frühen Wittelsbacher"
Vortrag Dr. Würmseher "Die Stadt im Mittelalter"
Markus Kreul, Die Kraft der Musik - Podcast
30 Jahre Deutsche Einheit – Erster Pöttmeser SesselTalk

Prof Dr Wilhelm Liebhart - Vortrag am 11.10.2020 im Kultursaal der Marktgemeinde Pöttmes
Die frühen Wittelsbacher als Städtegründer
Rahmenprogramm zur Bayerischen Landesausstellung

Erster von zwei Vorträgen in Pöttmes in Zusammenarbeit des Kulturreferats der Marktgemeinde Pöttmes mit dem Freundeskreis Alt Rain 

Nach der Begrüßung durch die Kulturbeauftragte des Marktes Pöttmes, Ludwiga Baronin Herman, und dem 2. Vorsitzenden des Freundeskreises  Alt Rain e.V., Herrn Roland Vogel, führte Professor Liebhart im gut besuchten Kultursaal (entsprechend der Corona Auflagen war die Bestuhlung vorgegeben) die aufmerksame Zuhörerschaft durch die Zusammenhänge und Beweggründe der Städtegründung zwischen 1050 und 1450. In dieser Zeit tat sich das Geschlecht der  Wittelsbacher als große Städtegründer hervor.

Prof Liebhart verwies auf viele historisch und wissenschaftlich wichtige Details, von denen hier dennoch nur ein Bruchteil erwähnt werden kann. So erfuhren die Zuhörer u.a., dass der jetzige Landkreis Aichach-.Friedberg zwei Städte und fünf Märkte beherbergt, von denen vier (Aindling, Inchenhofen, Kühbach, und Pöttmes) wie die beiden Städte auf das Spätmittelalter zurückgehen; Aichach und Friedberg als Städte im 13. Jh, die vier Märkte im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts entstanden und Mering als  der fünfte Markt, erst 1912 zum Markt erhoben wurde. Es war eine Zeit der Urbanisierung. Die meisten deutschen und europäischen Städte entstanden zwischen 1050 und 1450.

Fiskalische Gründe machten den Unterschied zwischen Stadt und Markt aus. So ist auffallend, dass im späten Mittelalter in unterschiedlichen Urkunden die Städte Aichach und Friedberg wechselweise als Stadt oder Markt bezeichnet wurden. Städte mussten höhere Steuerabgaben leisten. Sowohl Aichach als auch Friedberg waren dazu zeitweise anscheinend nicht in der Lage. 

Städtehistoriker, die sich am Rande mit diesem Thema beschäftigten, sprachen „von einer spätmittelalterlichen Zwischenform zwischen Stadt und Dorf“ (Edith Ennen, 1907-1999, Archivarin und Historikerin) aber auch unwissender Weise von einer „missglückter Städtelandschaft“ oder „Minder- und Kümmerstädte“.(Prof. Heinz Stoob, 1919-1997, Historiker Wilhelms Universität Münster).

Im sogenannten Territorialstaat der Wittelsbacher entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert eine dreistufige „Städtelandschaft“ mit 5 Residenzstädten (München, Landshut, Burhausen, Straubing, Ingolstadt), wenigen Kleinstädten (Aichach, Friedberg und Rain) als Landgerichtssitze und vielen Märkten. Stadt und Markt dienten dem inneren Staatsaufbau. Sie waren Amtssitze, Marktorte und Gewerbezentren im agrarischen Umfeld. Hier fand der Warenaustausch statt. Die Landgerichte lösten die älteren Grafschaften ab und wurden vielfach Vorläufer der Altlandkreise bis 1972.

Um den Überblick über die Einnahmen zu behalten bestand für das Umland ein Bannmeilenrecht und es herrschte Marktzwang. Außerhalb der Städte mit ihren Märkten durfte kein Warenhandel stattfinden.
Städte wie Rain und Friedberg galten als Festungen und waren mit Erdwällen und Gräben und erst im 14. Jh von kostspieligen Mauern umgeben. Sie gaben ihren Bürgern Schutz, sicherten den Landfrieden, die Grenzen, Straßen, Furten und Brücken. Märkte waren eher unbefestigt. Ummauerte Märkte stammen aus späterer Zeit, um 1300-1400, wahrscheinlich als Folge der Landesteilung von 1392 und den Hussiteneinfällen seit 1419.

Prof Liebhart verwies darauf, daß Pöttmes eine Ausnahme darstellt:
Hildebrandt von Vohburg, Gefolgsmann der Wittelsbacher und Stammvater der Freiherrlichen Familie von Gumppenberg, benannte sich 1279 nach der von ihm auf dem Gumppenberg erbauten Burg , kaufte 1280/1281 das Dorf Pöttmes mit Grundbesitz und Dorfgericht von den Grafen von Graisbach-Lechsgmünd.
1310 verliehen die herzoglichen Brüder  Rudolf und Ludwig IV. Heinrich von Gumppenberg das außerordentliche Recht, einen Platz im Dorf Pöttmes „zu markten“ und „zu befestigen“, das Hals- und Hochgericht, einen Wochenmarkt und den Wegzoll auf der Altstraße Augsburg-Neuburg a.d. Donau. 1324 gewährte Ludwig IV. der Familie noch das Marktrecht von Neuburg und Aichach für das im Landgericht Rain gelegene Dorf.
Bereits damals der Innere Markt, der noch heute mit dem Oberen und Unteren Tor besteht und sich so vom äußeren Markt trennt.
Allerdings fehlte Pöttmes trotz dieser Sonderstellung ein letztes Stück Freiheit: Da Pöttmes einen Zwischenherrn hatte, der bis ins 19. Jahrhundert den Marktrichter, den Bürgermeister und den Rat bestimmte, waren die Pöttmeser Bürger nicht wie die der anderen Städte und Märkte im alten Landtag vertreten.Mit diesem direkten Bezug beendete Professor Liebhardt seinen Vortrag nach einer guten Stunde. Die sehr interessierten Besucher bedankten sich mit langanhaltendem Applaus.

                                12.10.2020 Ludwiga Baronin Herman, Kulturreferat Marktgemeinde Pöttmes

 

Rahmenprogramm Bayerische Landesausstellung
Vortrag Dr. Würmseher "Die Stadt im Mittelalter"  am 16. Oktober 2020 im Kultursaal Marktgemeinde Pöttmes

Vortrag Dr. Würmseher

Mit Verweis auf den unbedingten Besuch der Bayerischen Landesausstellung und Dank an den Verein „Freundeskreis Alt Rain“ und an Herrn Dr. Würmseher durch die Vortragsreihe und insbesondere diesen  Vortrag einen noch tieferen Einblick des Städtegeschehens im Mittelalter zu geben, begrüßte die Kulturbeauftragte, Ludwiga Baronin Herman, die Besucher, die trotz der Corona-Auflagen doch zahlreich nach Pöttmes gekommen waren. Der Referent führte das sehr interessierte und auch konzentrierte Auditorium in die Umstände der Zeit des Mittelalters in ganz Europa. Es wurden die politisch strategischen und gesellschaftlich relevanten Gründe zum Aufbau einer Stadt im Mittelalter von verschiedensten Seiten beleuchtet und mit beeindruckenden historischen Karten großer Städte in Europa (insbesondere Italien und Frankreich) dargestellt . So war der Mittelpunkt einer Stadt der Marktplatz, umgeben von repräsentativen Gebäuden. Zum Schutze der Bürger war eine Stadt von Mauern teils mit zusätzlichen Gräben und Wällen, manchmal auch von Wasser  (Venedig) umgeben.  Beeindruckt verließen die Zuhörer nach gut 1 ½ Stunden das Rathaus. Leider konnten auf Grund der Corona-Auflagen keine weiteren Gespräche geführt werden.

Ludwiga Baronin Herman, Oktober 2020

 

Markus Kreul - Die Kraft der Musik

Markus Kreul kraft der musikBild: Martin Schwarzott

Besuchen den Podcast zu seinem Programm im Oktober im Kultursaal des Rathauses Pöttmes.
Seine Thesen: Musik begleitet uns in allen Phasen, sie verbindet uns Menschen auf ganz einzigartige Weise. Was genau aber ist nun Musik, was kann sie bewirken, warum brauchen und lieben wir sie so sehr?

30 Jahre Deutsche Einheit – Erster Pöttmeser SesselTalk

30 Jahre Deutsche Einheit – Erster Pöttmeser SesselTalk
Mit einem freudigen "Ja" reagierte unser Bürgermeister auf das Anliegen, sich am 3. Oktober 2020 zu diesem besonderen Tag der Deutschen Einheit für den ersten Pöttmeser Sesseltalk zur Verfügung zu stellen. Es war eine 40minütige Talkrunde vor dem Rathaus geplant. Die Musikkapelle Pöttmes, unter der Leitung von Herbert Pukas, bereitete sich auf dem Marktplatz vor, um die Deutschland- und Europahymne zu spielen – allein Petrus war nicht bereit und es begann zu regnen. Leider traten darum einige Interessierte den Weg nach Hause an.
Dennoch wurde die  schon auf Grund der Corona-Auflagen klein gehaltene Aktion kurzerhand in den Kultursaal verlegt. Um den Abstand zu bewahren spielte die Musikkapelle im Foyer.
Mit der Deutschlandhymne, zu der sich die Besucher erhoben und auch mitsangen, (dankenswerter Weise waren viele Marktgemeinderäte aus allen Fraktionen vertreten) wurde der SesselTalk dann mit etwas Verspätung eröffnet.
Bürgermeister Ketz stammt gebürtig aus Dresden und hat den Umbruch als 15jähriger hautnah miterlebt. So konnte er die Fragen der Kulturbeauftragten, Ludwiga Baronin Herman, authentisch beantworten.  Auf die Frage, worauf nach seinem Empfinden die Unzufriedenheit der Menschen in den neuen Bundesländern zurückzuführen sei, antwortete er, dass der größte Fehler war, dass die Menschen nicht mitgenommen worden sind und ihren Biografien gegenüber nicht genügend Respekt gezollt wurde. Um dem entgegen zu wirken, regte Baronin Herman die Idee an, eine Partnergemeinde zu suchen, um damit ein Kennenlernen der Menschen, deren Werdegang und der örtlichen Begebenheiten, sowohl strukturell als auch kulturell zu ermöglichen und auszutauschen.  Ähnlich wie Bürgermeister Hoffmann es nach dem Krieg mit der für Pöttmes so bereichernden Partnerschaft mit La Haye Pesnel in der Normandie/FRA vorangetrieben hat. Bürgermeister Ketz reagierte begeistert.
Mit der Europa- und natürlich auch der Bayernhymne wurde der Erste Pöttmeser SesselTalk beendet.

Ludwiga Baronin von Herman
Bild: Jürgen Mayer

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